SPD-Stadträte sagen „Geht nicht“ zum Austonungsvorhaben

Viele Brandiser denken voller Wehmut an die Geschichte des Brandiser Tonabbaus als ein Jahrhunderte-Markenzeichen der industriellen Entwicklung und als größter Arbeitgeber im Ort zurück. Das letzte vorhandene, historische und unter Denkmalschutz stehende Gebäude in der Grimmaischen Straße wird durch den heutigen Besitzer dem Verfall preisgegeben. Dies und das echolose Wissen um die Verkehrsprobleme entlang der Straße nach Polenz ohne Radweg sowie die fehlende Transparenz im Umweltmonitoring zu den stillgelegten Deponien Reinhild und Waldstraße haben bisher kein Vertrauensverhältnis befördert.

Die über einhundert Teilnehmer der Bürgeranhörung im Zuge des Raumordnungsverfahrens zum Tonabbauvorhaben Brandis Nord der Tonwerk Brandis GmbH brachten vielfältige sachliche Argumente für eine Ablehnung ins Feld. Das Fehlen eines Vertreters wie etwa des Geschäftsführers Ullrich Nillson – um wenigstens den vielen Fragen und Ängsten mit Antworten begegnen zu wollen – unterstrich dies nachhaltig. Die Antragsunterlagen schienen gespickt mit nicht nachvollziehbaren bzw. unzureichenden Angaben zum Vorhaben. Dies beginnt bei der Statusbezeichnung des Nordfeldes 84 als Vorrang – statt richtiger Weise Vorbehaltsgebiet für Bergbau, setzt sich fort über die Wasserhaushaltsmaßnahmen, Verkehrsströme und Lärmprognosen bis hin zu den unzureichenden Gefährdungsdarstellungen der im Regionalplan Westsachsen fixierten Schutzbedürfnisse des Grünzuges mit Eichenwaldbestand, der vegetativen Biotope, Grabenquellbereiche und des Vogellebensraumes mit FFH – Sigel.

Die Betroffenheit der Bürger wurde mit den mangelnden Schutzabständen zu Wohnbebauungen und zum Friedhof, zu dem Gefährdungspotenzial für Gebäude durch Grundwasserabsenkungen und einer Überfrachtung des Grabensystems bis hin nach Waldsteinberg benannt. Die Belastungen und Gefährdungen durch Verkehr, Lärm und Staub lassen den Lebens- und Erholungswert von Brandis und Polenz auf null sinken. Freistaat und Landkreis haben die S45 – Westumgehung um Polenz und die Reaktivierung der K8366 entlang des Flugplatzes ad acta gelegt, so dass eine vernünftige Verkehrsführung nicht möglich ist. Das „Käselochband“ der Berbaufolgelandschaften um Brandis lässt als einzigen Arrondierungskorridor der Siedlungsentwicklung nur den nordöstlichen Ortsrand übrig, der mit diesem Vorhaben beerdigt würde. Kindergarten und CVJM-Jugendhaus wären auf ewig falsch platziert, die Sportplätze nicht erweiterbar, die Friedhofsruhe gestört.

Unterschwellig dringt die Empfindung durch, dass es hierbei vordergründig nur um die „Schaffung eines neuen Loches als Deponie“ geht. Die Hoffnung auf eine verarbeitende Produktion mit Arbeitsplätzen ist eine weitere Fehlanzeige und somit eine wirtschaftliche Notwendigkeit für das Vorhaben nicht gegeben.

Die Stadträte von SPD/Grüne werden das Vorhaben nicht nur geschlossen ablehnen sondern die Streichung des „Vorbehaltsgebiets Brandis Nord Nr. 84“ aus dem Regionalplan Westsachsen initiieren, da es schon längst nicht mehr einer geordneten räumlichen Entwicklung von Brandis und Region gerecht wird.

Als Ansprechpartner erklärten sich Ralph Gertler (Verkehrsausschuss) und Markus Bergforth (Fraktionsvorsitzender) bereit, für interessierte Bürger rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, um ihnen bei ihren Widerspruchsanmeldungen zur Seite zu stehen.

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