Feierstunde zum 25 jährigen Bestehen des SPD Ortsvereins Brandis-Borsdorf

Zu einer Feierstunde trafen sich die Sozialdemokraten am Sonntag in der Brandiser Musikarche, um das Neugründungsjubiläum des SPD Ortsvereins vor 25 Jahren in festlicher Runde zu begehen. Das Bläserensemble der Musikarche unter Leitung von Masafumi Sakamato sorgte mit virtuoser Umrahmung für ein besinnliches Ambiente.
Die Besinnung auf die Geschichte war auch der Grundtenor der Zusammenkunft – Zukunft braucht Herkunft.

Die Sozialdemokratie im Brandiser Raum kann auf eine 110 jährige Lebenslinie zurück blicken, denn bereits 1905 wurde der erste Ortsverein im damals gerade neu erbauten „Parkschlösschen“ von Steinbrucharbeitern gegründet. Paul Rehm wurde Vorsitzender und Oswald Wadewitz Kassierer. Acht Jahre später wurde Paul Rehm am 1. Juli 1923 als erster sozialdemokratischer Bürgermeister von Brandis gewählt und blieb bis zur Vertreibung durch die Nazis bis zum 14. April 1933 im Amt. Viele Brandiser Stammbaumnamen finden sich in den historischen Blättern wieder.

Die Gründung der „Konsum- und Spargenossenschaft Wurzen, Brandis und Umgegend“ und das Wirken einer Kolonne des „Arbeiter-Samariter-Bundes“, deren Ausbildung der Arzt Dr. Rudolph Ledig übernahm, waren auf die Initiativen der Brandiser Sozialdemokraten zurückzuführen. 1928 war die Brandiser SPD im Wurzener Raum mit 229 Mitgliedern der stärkste Ortsverein. Beucha hatte 71 Mitglieder. Ortsvereinsvorsitzender war Wilhelm Ogrisseck. Nach den Reichtagswahlen am 5. März 1933 und der Machtübernahme durch die NSDAP konnten die Sozialdemokraten letztmalig im Mai an einer Brandiser Stadtverordnetenversammlung teilnehmen.

Unter der Knute von zwei Diktaturen dauerte es 56 Jahre bis sie ihre politische Arbeit wieder aufnehmen konnten. Die hoffnungsvolle Neugründung in der Sowjetischen Besatzungszone am 2. November 1945 mit über 100 Mitgliedern fand wenige Wochen nach der Hauptversammlung am 25. Januar 1946 und der Wahl von Alfred Fichtner zum Vorsitzenden erneut ein Ende in der Zwangsvereinigung zur SED.

In den Spätsommermonaten 1989 entwickelte sich aus dem Teilnehmerfächer der Leipziger Montagsdemonstrationen eine Bürgerrechtsgruppe, die sich zunächst als SDP und am 10. Januar 1990 als SPD Ortverein organisierte und sich in der Folge mit den Ortsgruppen von Beucha und Borsdorf vereinigte.

Ausreisewillige, Andersdenkende und Kritiker, die den Zerfall der DDR nicht weiter ertragen wollten, hatten den Mut aus der stillen Opposition in die öffentliche Konfrontation mit dem Herrschaftssystem des SED-Machtapparates von Parteibonzen und Stasi zu gehen.

„Das Streben nach Freiheit, Demokratie und sozialen Grundwerten hatte in Brandis wieder eine Heimat gefunden“, so schloss der damalige 1. Vorsitzende Frank Mieszkalski das Blättern in den Geschichtsbüchern der Sozialdemokratie.

Der Ortsvereinsvorsitzende Markus Bergforth appellierte an die Teilnehmer, dass man den damaligen Freiheitsruf „Wir sind das Volk“ nicht durch populistische Volksverführer missbrauchen lassen darf und auch heute Zivilcourage zeigen muss.

Bürgermeister Arno Jesse erläuterte sein Leitbild von einer bürgeraktiven Gemeinschaft, in der sich alle Bürger in Selbstbestimmung und Selbstverantwortung in die Gestaltungsprozesse der Gesellschaft in der sie glücklich leben wollen, einbringen müssen. So wie es 1989 die oppositionellen Bürgerbewegten waren, die nicht nur auf der Straße protestierten sondern mit beispiellosem Einsatz begannen die Stadt Brandis zu reformieren und aufzubauen.